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Das Jubiläumsjahr 1986

Die nun knapp 500 Mitglieder zählende Sektion Davos feiert ihr 100-Jahre-Jubiläum mit folgenden Ereignissen

  • Jubiläumsskihochtourenwoche vom 11. - 17.5.86 in der Dauphiné mit 8 Teilnehmern
  • Ausstellung in einem Schaufenster der SKA Davos vom 4.8. - 1.9.86 mit Bergfotos und alten Tourengegenständen unter dem Motto «100 Jahre Sektion Davos SAC»
  • Pressekonferenz 4.8.86 über 100 Jahre SAC Davos
  • Umrundung der Davoser Grenze vom 5.7. - 14.9.86 in 14 Etappen, total 48 Mitglieder
  • Jubiläumsakt am 29.11.86 im Steigenberger Hotel Belvédère. Aperitif, gemeinsames Nachtessen, Diabilder der Tourenwoche und Umrundung, Gratulationen benachbarter Sektionen, Produktionen, Tanz mit den 5 Berninaboys. Über 200 Teilnehmer
  • Herausgabe einer Festschrift zum 100-Jahre-Jubiläum. Damit auch das Hauptereignis des Jubiläumsjahres, die Umrundung der Davoser Grenze, in der Festschrift beschrieben werden kann, erscheint diese erst 1987

100 Jahre Sektion Davos SAC, 1886 – 1986

von Severin Schellenberg

Im mit dem Abzeichen des SAC, Panoramen und Bergfotos festlich geschmückten Saal des Hotels Bergadler (dem heutigen Hotel National) gründeten 28 Bergfreunde am 12. Oktober 1886 die Sektion Davos. Das war rund 20 Jahre nach dem heute als Anfang des Kurortes Davos geltenden Datum 1865 und 23 Jahre später als der Beginn des Schweizer Alpenclubs in Olten und der Sektion Rätia in Chur. Der 1881 vollendete Bahnbau Landquart - Davos brachte erst die breite Basis für eine Vereinigung von Bergsteigern durch die schnelle Zunahme der Ortsbevölkerung und des Touristenverkehrs. Dem damals noch kleinen Vorstand von 4 Leuten (heute sind es 9) stand als Präsident Hugo Richter vor, der am 8. Februar 1865 mit dem Schlitten als einer der beiden ersten Wintergäste in Davos Einzug hielt. Als Verlagsbuchhändler war er auch Herausgeber der ersten Davoser Zeitung. Alexander Rzewuski als Vizepräsident sollte diese Funktion während voller 40 Jahre und anschliessend noch 10 Jahre das Präsidentenamt innehaben. Nichts zeigt so sehr den langen Zeitraum von 100 Jahren wie die Tatsache, dass dieser ein halbes Jahrhundert Clubgeschichte schreibende Mann uns heutigen Mitgliedern sozusagen unbekannt ist.

Damals mussten Bergtouren in einem Zuge aus dem Tal zum Gipfel oder aber mit einem Freibiwak bewältigt werden. Der Bau von Clubhütten stand daher im Vordergrunde. Allerdings traute sich die junge Sektion noch nicht an eigene Projekte, sondern übernahm von der Sektion Rätia 1887 die 1865 erbaute Silvrettahütte sowie die eben fertiggestellte Vereinahütte. Dagegen sind die beiden durch die Sektion Davos selbst gebauten Hütten Kesch und Ela noch heute unser Stolz. Bereits 1893, 7 Jahre nach der Gründung der Sektion, wurde am Fusse des Kesches die Unterkunft für 18 - 20 Personen erstellt. Die damalige Urzelle finden allerdings nur Eingeweihte in der mehrfach erweiterten Hütte. 1911 folgte ein grosses Fest zur Einweihung der neuen Elahütte, nachdem vorgängig 1908 von der Sektion Rätia die alte, 1879 erbaute Elahütte erworben worden war. Ständig in Trab hielten während dieser Zeitspanne Wegmarkierungen, Wegebau und vor allem deren Unterhalt. Wege auf das Schiahorn, über die Maienfelder Furka, aufs Flüela-Schwarzhorn, zur Keschhütte vom Scalettapass her und über den Sertigpass sind Leistungen des Clubs. Mit Picknicks auf Drusatscha und am Lareter Schwarzsee, eigentlichen Volksfesten, gewann man über Jahre hinaus die Mittel für die mannigfaltigen Ausgaben des Vereins. Damals bestand noch die Möglichkeit von Erstlingstouren in den umliegenden Bergüner- und Silvrettabergen, sie wurde von Club Mitgliedern eifrig benutzt. In den Jahrbüchern des Gesamt-SAC finden sich auch Aufsätze von Davosern über grössere Touren bis in weit entfernte Gebiete. Die Abhaltung eines ersten Führerkurses 1889, die Belieferung der Schweiz. Landesausstellung 1896 in Lausanne mit Ausstellungsmaterial, die Schaffung einer Alpinen Rettungsstation 1904 sind weitere Zeugen eines unermüdlichen Clublebens. Die Zahl der Mitglieder betrug nach 10 Jahren 100 und nach 25 Jahren 180 (nach 75 Jahren: 208!!). Das Bergsteigen hatte vor der Jahrhundertwende noch nicht die Breitenentwicklung späterer Jahre erfahren, Touren erforderten viel Zeitaufwand und Kosten. Nicht alle konnten und wollten sich das leisten. Die Mitgliederliste umfasste viele Akademiker, daher hatten die monatlichen Versammlungen und wöchentlichen Hocks eine dreifache Funktion: Alpenclub - Naturforschende Gesellschaft - Kunstgesellschaft. Ein Alterspräsident formulierte das so: «Der SAC, der Verein, zu dem man gehört.»

Auf 100 Jahre fallen 4 Generationen. Wir sind somit über die frühesten Ereignisse im Verein auf die Protokolle angewiesen. Sie liegen wohl lückenlos vor, doch gleicht ihr Lesen je nach Schönschreibenkönnen des jeweiligen Aktuars einer graphologischen Aufgabe. Insbesondere der frühesten, in altdeutscher Schrift verfassten. Das erste schreibmaschinengeschriebene Protokoll taucht 1934 auf. 1916 wird mit dem ersten An- und Umbau der Keschhütte eine nicht mehr abreissende Folge eingeleitet. Eine Vorschrift des Zentralkomitees während des Weltkrieges 1914 - 18, wonach alle Vorstandsmitglieder Schweizer zu sein hätten, führte in der Sektion, wo 1 Deutscher auf 2 Schweizer kam, zu unendlichen Diskussionen. Es wurde ihr schliesslich, weil in Davos unerfüllbar, auch nicht nachgelebt. Auf Grund der massiven Geldentwertung erliess man den Ausländern 1921 den Sektionsbeitrag. Einer Fotogruppe ging nach 3 Jahren, 1928, der Schnauf aus. Die Einrichtung einer zweiten, vollausgerüsteten Rettungsstation auf der Parsennhütte 1930 erfolgte wohl in Unkenntnis der bald darauf in Betrieb genommenen Parsennbahn. Ebenfalls 1930 ist das Gründungsjahr der Jugendorganisation (J.O.). Das in den 20er Jahren abflauende Tourenwesen rief gebieterisch nach jungem Nachwuchs; das gleiche Problem beschäftigte übrigens auch den Gesamtclub. Erste Liberalisierung im bisher exklusiven Alpenclub Davos zeigt auch die ab 1933 nicht mehr erforderliche Anwesenheit der Paten bei Neuaufnahmen. Und immer wieder ist die Rede vom Pflanzenschutz, schon damals...

In diese Zeit fallen bereits Aktivitäten unserer ältesten Clubmitglieder. Ausser Wegfall der Wegmarkierungen und des Führerwesens haben die Aufgaben wenig geändert. Im Tourenwesen wird ab 1938 vor jeder Tour ein verantwortlicher Tourenleiter bestimmt. Übrigens erfolgt die Aufnahme von Touren- und J.O.-Chef in den Vorstand erst 1950. Ernst Reiss und Walter Rossherg überschreiten 1940 erstmals innerhalb eines Tages das Dreigestirn Ela, Tinzenhorn, Mitgèl. Andre Roch betritt 1952 den Südsattel des Everest, Ernst Reiss 1956 den Lhotse (Erstbesteigung). 1948 ertönen Klagen wegen Flabschiessens in der Frühlingsskitourenzeit. Das Sektionsleben leidet erheblich unter den Militärdienstleistungen im 2. Weltkrieg. So sieht die Generalversammlung 1944 zum Beispiel nur 15 Anwesende, der Mitgliederbestand sinkt wieder unter 200. 1953 wird in Davos die Delegiertenversammlung des Gesamtclubs durchgeführt, die Sektionsversammlungen wechseln 1954 vom Eisbahnrestaurant in den Bündner Hof und 1958 ins Hotel Rätia (heute steht hier das Migros-Einkaufszentrum). Die Jugendorganisation bleibt weiterhin ihrem Auf und Ab getreu. Die Abwanderung der erwachsen werdenden J.O.ler zu den Arbeitsplätzen im Unterland wird wohl immer den Nachwuchs in die Sektion schmälern. 1957 zieht sich unsere Rettungskolonne aus Rettungsaktionen im Pistenskigebiet zurück. Resolutionen 1951 gegen eine geplante Matterhornbahn und 1960 gegen den Helikoptertourismus in Davos künden neue Zeiten an (der erste Rettungseinsatz mit Flächenflugzeug in unserer Gegend fand 1934 statt). Ein glanzvolles Fest im Hotel Flüela zum 75-Jahr-Jubiläum beendete 1961 dieses Vierteljahrhundert. Eugen Wenzel erhielt für die Verfassung des 1934 erschienenen Albulaführers die Ehrenmitgliedschaft. Unser zweites Ehrenmitglied, Nic Kindschi, wird diese Ehrung 1973 erhalten. Nachdem 1936 zum 50jährigen Bestehen keine Festschrift zustande kam (sie sei zu teuer und würde ausserdem wohl kaum gelesen, sagte man!!), löste Altpräsident Dr. Rico Bianchi diese Aufgabe für das 75jährige Bestehen. Er stürzte leider viel zu früh 1965 am Tinzenhorn ab.

Hüttenwesen. Aus berufener Hand würdigt ein eigener Aufsatz im Rahmen dieser Festschrift die Vereinstätigkeit bei der Führung der beiden Hütten Kesch und Ela. Hier der Vollständigkeit halber eine kurze Rückblendung. 1963 Fassung einer Quelle samt Wasserleitung zur Keschhütte. Umbau auf 80 Plätze 1968. Erneuter Umbau 1983 mit Verbesserung der inneren Raumverhältnisse. Weit herum bekannt ist die gute Hüttenbewartung durch Erika und Ruedi Käser, und dies seit 1969(!). Die Elahütte ihrerseits erhält 1982 fliessendes Wasser aus dem Bach durch Rücktransport mittels Druckkugel. 1984, nach einer unvergessbaren Diskussion in einer Generalversammlung, das elektrische Licht durch Sonnenenergie. Tourenwesen. Das allgemein zunehmende Interesse am Bergsport schlägt sich auch in der Sektion nieder. Vor allem Frühlingsskitouren werden zu einem festen Bestandteil im Sektionsleben. Zahlreiche Teilnehmer erleben die Familienwanderwochen während der 10jährigen Amtsdauer von Tourenchef Erwin Loop. Verständlicherweise haben Sommerhoch- und Klettertouren bei den Davosern (Davos = Skihochburg) mehr Mühe. Ihre Durchführungen finden im kleineren, privaten Rahmen, dann aber schärferer Richtung statt. Vom grossen Fortschritt in der Ausrüstungstechnik weiss jeder, der in diesem Vierteljahrhundert in die Berge geht, zu berichten. Dass sich auf Sektionstouren kein einziger schwerer Unfall ereignete, stellt den Tourenchefs und Tourenleitern ein gutes Zeugnis aus, nebst tatkräftiger Mithilfe einer glücklichen Fügung. Rettungswesen. Der Einsatz von Helikoptern hat die Tätigkeit der Rettungskolonnen am Boden erleichtert, nicht etwa überflüssig gemacht. Bei Nacht, Nebel, Schlechtwetter gelingt nur die terrestrische Rettung. Wie bis anhin wird auch in Zukunft in unserer Sektion kein Mangel an einsatzbereiten Rettungsleuten sein. Jugendorganisation. Obwohl das Sportangebot, besonders in Davos, mit Eishockey, Langlauf, Alpinski usw. zunimmt, führt unsere J.O. gegenüber früher ein fast überbordendes Leben. Im Sportklettern bleibt der älteren Garde nurmehr das Zuschauen. Die Suche nach Leitern für die J.O. wird immer schwierig bleiben, in keinem anderen Tätigkeitsgebiet des SAC hängt die Kurslinie so vom Zugpferd ab. Allgemeines Sektionsleben. 1962 und 1981 führt Davos die Auffahrtszusammenkunft der Ostschweizer Sektionen durch. Seit 1962 trifft man sich zu Monatsversammlungen im Café Weber. Die Mitwirkung am Umzug 100 Jahre Fremdenort Davos 1964 und im Lawinenwinter 1968 mit Rettungs- und Aufräumarbeiten geht über den üblichen Rahmen hinaus. Eine langjährige Ära von Familienabenden im Hotel Central (und noch früher im Kursaal bzw. Europe) nimmt 1971 ihren Fortgang im neuen Kongresssaal. Und erstmals wird ein Mitglied 1983 als Standespräsident «höchster Bündner» (Beni Falett, ehem. Rettungschef in Bergün). Aufnahme von Frauen in den SAC. Im Gesamtclub, der nun 125 Jahre alt wird, ertönten immer schon vereinzelte Rufe zur Aufnahme der Frauen in die uneinnehmbare Männerbastion. Volle 116 Jahre sollten vergehen, bis die Fusion 1980 mit dem Schweizer Frauenalpen-Club erfolgte. In einer kurzen Übergangszeit war den einzelnen Sektionen die Aufnahme von Frauen freigestellt worden. Die Fusion geschah vor allem auf Druck aus den Westschweizer Sektionen. Die bisherige Sektion Davos des Schweizer Frauenalpen-Clubs (SFAC) hätte wohl als selbständige Frauensektion im SAC weiterbestehen können. Die angehenden Bergsteigerinnen aber, nach einigen Jahren gemeinsamer, gemischter Jugendorganisation, würden wohl den Eintritt in die Männersektion wählen. Ohne Nachwuchs ist jedoch der Weiterbestand der Frauensektion nicht gesichert. Mit Wehmut mussten somit 1980 64 Kameradinnen (darunter 3 Gründungsmitgliederinnen) mit der Entgegennahme des neuen SAC-Abzeichens die 58jährige, selbständige Geschichte des SFAC Davos beenden.

Mungga Pfiff

Das Nach­richten­blatt des SAC Davos

Der Mungga-Pfiff wird an alle Mitglieder, an andere Sektionen sowie an weitere Interessenten versandt.

Ausgabe 88., Juni 2021 (PDF, 3.99 MB)

Jubiläums­fest­schrift

125 Jahre SAC Sektion Davos

Der Schweizer Alpen-Club SAC schafft es seit bald 150 Jahren die Balance zwischen «Tradition» und «Fortschritt» zu finden.

Jubiläumsfestschrift 125 Jahre SAC Sektion Davos (PDF, 7.36 MB)

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